.web: Der Kern des World Wide Web endlich im DNS nach einer 33-jährigen Saga

Die Internetwelt wurde Zeuge eines bedeutenden Ereignisses: Die Top-Level-Domain .web, die sich die Community seit Jahrzehnten wünschte, hat endlich einen entscheidenden Schritt bei der Delegierung an das globale Domain Name System (DNS) erreicht. Das bedeutet, dass .web nach einem langen und komplexen juristischen Kampf, der sich über Jahrzehnte hinzog, offiziell zu einem vollwertigen Teil der Internet-Root-Zone geworden ist – neben Giganten wie .com, .net und .org. Ihr Erscheinen, obwohl es von Verisign gebracht wurde, dem Betreiber von .com und .net, schließt eine Epoche ab, die eng mit der Geschichte des World Wide Web selbst verflochten ist.

Die Geschichte des langen Weges zu .web

Die ersten generischen Domains erschienen bereits 1984, doch das Konzept des World Wide Web, wie wir es heute kennen, entstand erst 1989. Seitdem wurde der Begriff „web“ zum Synonym für das Internet, doch eine eigene Top-Level-Domain dafür blieb unerreichbar. In diesen 33 Jahren, während sich das Internet rasant entwickelte, entstanden Hunderte neuer, oft exotischer Domainendungen – von .pizza bis .guitars –, aber .web schien für immer außer Reichweite zu bleiben.

Die ersten Versuche, .web zu erhalten, reichen bis ins Jahr 1997 zurück, als die Gruppe Internet Ad Hoc Committee es unter sieben neuen Domains vorschlug; der Vorschlag erhielt jedoch nicht die nötige Aufmerksamkeit. Im selben Jahr begann die Firma Image Online Design mit eigenen Bemühungen zur Registrierung und Verwaltung von .web, erreichte jedoch keinen Erfolg.

Eine rätselhafte Auktion und Millionenangebote

Die eigentliche Wende in dieser Geschichte kam 2016, als ICANN, die für die Verwaltung von Domainnamen zuständige Organisation, eine Auktion durchführte, um den Wettbewerbsstreit um .web und .webs zu lösen. Sieben Unternehmen reichten Bewerbungen ein, doch den Zuschlag erhielt die wenig bekannte Firma NU DOT CO LLC, die die beeindruckende Summe von 135 Millionen US-Dollar bot. Zum Vergleich: Die Domain .webs, die ähnlich klingt, wurde von Vistaprint für den symbolischen Preis von 1 US-Dollar erworben.

Es stellte sich die naheliegende Frage: Woher hatte ein unbekanntes Unternehmen solche enormen Mittel? Wie sich später herausstellte, stand Verisign hinter diesem Geschäft. Das Unternehmen finanzierte die Bewerbung von NU DOT CO LLC heimlich über eine Strohfirma. Das löste Empörung bei den Wettbewerbern aus, insbesondere bei Afilias (später in Altanovo umbenannt). Sie behaupteten, dass die Beteiligung von Verisign über eine Proxy-Firma gegen die ICANN-Regeln verstoße.

Gerichtsprozesse und die Aufmerksamkeit des US-Justizministeriums

Rund um den Deal entbrannte ein regelrechter Wirbel. In der öffentlichen Debatte ging es um die Frage nach echtem Wettbewerb auf dem Markt für Domainnamen und nicht bloß um die Erweiterung des Portfolios eines bereits dominierenden Akteurs. Interessant ist, dass Verisign bereits fast 90 % des .com- und .net-Marktes kontrolliert, was die Frage aufwirft, wie „neu“ der Wettbewerb mit dem Erscheinen von .web wirklich sein wird, wenn auch diese Domain der gleichen Corporation gehört.

Dennoch prognostizieren Branchenexperten, dass .web für Verisign zu einer bedeutenden Einnahmequelle werden könnte. Wenn das Unternehmen einen Preis von etwa 15 US-Dollar pro Domain und Jahr festlegt und auch nur 1 % der Inhaber von .com-Domains eine entsprechende Domain unter .web registrieren, könnte dies dem Unternehmen jährliche Einnahmen in zweistelliger Millionenhöhe bringen. Diese neue Domain könnte potenziell sowohl ein starkes Branding-Instrument als auch eine Plattform für die Entwicklung neuer innovativer Webdienste werden.

Der Start von .web ist ein wichtiges Ereignis, das den langen Weg zur Domain abschließt, die die Essenz des weltweiten Netzes perfekt widerspiegelt. Trotz der fragwürdigen Methoden, die zu ihrer Erlangung eingesetzt wurden, wird .web nun für Nutzer zugänglich und eröffnet neue Möglichkeiten zur Identifikation im digitalen Raum.

Roman Spas

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